Bolero

Written by Lady Allegra

Der Tag war endlos lang und nur wenig erfolgreich gewesen. Die Füße taten Elmar schon seit geraumer Zeit vom vielen herumlaufen weh. Er freute sich auf den bevorstehenden Feierabend, seine kleine Wohnung, ein entspannendes Bad, das kühle Bier zum wohlverdienten Tagesabschluss.

Dieses Haus noch, sein letzter Versuch, eine Versicherungspolice an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Genervt, müde und eigentlich völlig lustlos schlenderte er durch das offenstehende Gartentor auf die Haustüre zu.
Ja, er hätte besser geklingelt, aber die Musik, die ihm durch die geschlossene Eingangstüre entgegen drang war laut, nicht aufdringlich, einfach nur sehr laut. Sie hätte sein Klingeln sowieso nicht gehört, dachte er im Nachhinein. Vielleicht war es zu dreist von ihm einfach um das Haus herum durch den Garten zu gehen. So etwas tut man nicht, nein!
Jetzt war es zu spät - Elmar stand in der halbgeöffneten Terrassentür, die Musik dröhnte ihm hier noch lauter als an der Vordertüre, entgegen. Der Blick, der sich ihm in den hellerleuchteten Raum bot, war überwältigend. Er war darauf nicht vorbereitet gewesen.

Eine Frau, mit allen Attributen der Weiblichkeit ausgestattet, lag auf dem Sofa. Sie hatte die Augen geschlossen. „Attraktiv, sinnlich, atemberaubend“, waren seine ersten Gedanken beim Anblick dieser erotischen Gestalt. Gebannt starrte er sie an
Ihr makelloser Körper war eingehüllt in ein schwarzes, transparentes Nichts von einem Kaftan, so fein wie ein Spinnennetz umhüllte es sie. Darunter trug sie einen winzigen Stringtanga und einen schwarzen BH aus zarter Spitze, der ihre herrlichen Brüste voll zur Geltung brachte. Im Takt der Musik wogte ihr Busen auf und ab.
Ravels Bolero – ihre Hände bewegten sich wie die eines Dirigenten. So als wollten sie jeden der imaginär durch den Raum schwebenden Töne streicheln.
Elmar ertappte sich dabei, wie er sich vorstellte, dass diese Hände ihn ebenfalls streichelten, an seinem Körper entlang fahren würden...

Plötzlich hielten ihre Hände inne. Als hätte sie seine Anwesenheit gespürt, schlug sie die Augen auf. Und blickte intuitiv in Richtung der Terrassentüre, dort wo er unbeweglich stand.
Kein Erschrecken, keine Angst, höchstens Erstaunen konnte er in ihren Augen lesen. Sie musterte den Fremden. Er spürte, wie sich eine knisternde, erotikgeladenen Spannung zwischen ihnen aufzubauen begann. Sollte er jetzt in diesem Moment mit seinem Versicherungsvortrag anfangen, mit diesem hohlen Gewäsch über Vorsorge und Policen. Und diese prickelnde Stimmung damit zerstören?
Wie in Trance setzte er seinen Aktenkoffer, den er immer noch in der Hand hielt, ab. Er machte eine leichte Verbeugung in ihre Richtung, öffnete die Arme und sagte:
“Darf ich bitten, Gnädigste!“
Elegant schwang sie ihre schönen Beine mit den hochhackigen, schwarzen Federpantoletten an den Füssen von der Couch. Lasziv die Hüften wiegend glitt sie förmlich in seine geöffneten Arme hinein.
Elmar faszinierte diese an den Tag gelegte Selbstverständlichkeit, ihm war vorher noch nie so etwas passiert. Er spürte sofort, wie gewisse Gefühle in ihm hochstiegen. Eine Lust, die in der Mitte seiner leichten Sommerhose ihren Anfang nahm und sich bis in den hintersten Winkel seines Körpers ausbreitete.

Dabei kam nicht ein Wort über ihre schön geschwungenen Lippen. Die beiden Körper bewegten sich zu den hämmernden Takten des Bolero. Irgendwie waren sie nicht mehr im „Jetzt und Hier“. Sie schienen über die kühlen Fliesen aus Terracotta zu schweben.
Sie bewegten sich synchron im Takt. Elmar spürte wie ihr Oberschenkel langsam immer mehr an Raum zwischen seinen Beinen gewann. Erst prüfend, dann fordernd. Langsam glitten seine Hände über ihren Rücken, wollten nun auch die tieferen Regionen erkunden. Aber sie lies dies nicht zu. Nahm seine Arme und schlang sie um ihren Hals, so als wollte sie sagen: „Bleib so!“
Elmar akzeptierte es.
Dann begann sie sich an seinem Körper auf und ab zu bewegen. Wie eine Schlange glitt sie geschmeidig an ihm herab, um sich sofort wieder daran hochzuarbeiten. Mehrmals wiederholte sie dies.

Dem Vertreter wurde von Sekunde zu Sekunde heißer. Er lockerte seine Krawatte, während sie die Knöpfe seines Hemdes öffnete, damit ihre feuchte Zunge Zugang zu dem freigelegten Oberkörper hatte. Umkreiste seine Brustwarzen, nahm diese zwischen ihre Zähne und knabberte daran. Ein gekonnter Griff zu seinem Reißverschluss und ihre Finger waren in seinem Slip verschwunden, umschlossen seine stark erigierte Männlichkeit.

Elmar wusste nicht wie ihm geschah. Er war verwirrt und hätte nur zu gerne diese vollen Brüste, welche sich fordernd ihm entgegenstreckten, liebkost. Doch der Blick in ihren Augen war unmissverständlich.
„Bleib so“ hieß sie ihn wortlos!

Als Elmars Erregung fast nicht mehr auszuhalten war, glitt sie erneut an seinem Körper hinunter bis ihr Kopf zwischen seinen Beinen verweilte. Aus dem geöffneten Hosenschlitz ragte sein bestes Stück heraus. Sie stülpte ihre roten Lippen über dieses vor Lust erstarrte Teil. Es fühlte sich für Elmar herrlich an und er konnte diesen Moment des vollkommenen, unverhofften Glückes gar nicht fassen. Immer und immer wieder spürte er ihre Zunge an seinem prallen Schaft auf und ab tanzte.
Elmars Hände ruhten auf ihren Schultern. Von oben konnte er ihren verlängerten Rücken mit dem transparenten Strings sehen, was seine Lust weiter vorantrieb. Es gelang ihm nicht den starken Druck in seinem Unterleib länger zu beherrschen. Sein Körper entlud die innere Anspannung mit einem ekstatischen Zucken, begleitet von einem tiefen Aufstöhnen spritze er die volle Ladung in ihren Mund. Elmars Körper schien zu explodieren, in seinem Kopf entluden sich Blitze. Ein Feuerstrom wälzte sich durch seine Nervenbahnen, während sie immer noch den letzten Tropfen aus ihm heraussaugte.

Als er endlich die Augen wieder aufmachte, durchfuhr ihn ein Adrenalinstoss, dass er glaubte 100 000 Volt jagten durch seinen Körper und sein Herz käme zum Stillstand.
Er traute seinen Augen nicht.
An der gegenüberliegenden Zimmertüre stand ein Mann. Ein gutgebautes männliches Exemplar, welcher die muskulösen Arme vor dem durchtrainierten nackten Oberkörper verschränkt hatte.
Elmar sah direkt in den durchdringenden Blick des mysteriösen Beobachters. Er schätze ihn in etwa gleichaltrig ein nur, dass dieser Körper bei weitem muskulöser war als sein eigener.
„Ich habe nicht die geringste Chance gegen ihn,“ dachte Elmar.
Doch dieser Mann in Boxershorts stand einfach nur regungslos da.
Seiner Bekleidung nach musste er hier wohnen, schoss es dem Vertreter durch den Kopf. Wie lange hatte er die Szenerie wohl schon mit angesehen, etwa die ganze Zeit über....?
Der Ertappte war verwirrt.
Ein Urgefühl drängte Elmar zur Flucht, stattdessen stand er wie versteinert da. Unfähig sich auch nur einen Zentimeter von der Stelle zu rühren. Unwirklich und lächerlich war die Situation - dort der fremde Mann, ihm genau gegenüber lehnte er lässig in der Türöffnung - nur wenige Meter entfernt stand er, der Ertappte mit offener Hose, die halb heruntergezogen um seine Beine hing.
Zu Elmars Erstaunen machte der Fremde gar keine Anstalten auf ihn zuzugehen, ihn zu schlagen und dann am Kragen zu packen und hinauszuwerfen.

Mittlerweile hatte auch die Schöne den Mann bemerkt. Doch sie war alles andere als überrascht, reagierte nicht mal erschrocken auf seine Anwesenheit.
Im Gegenteil: Lächelnd, blickte sie tiefgründig von einem Mann zum anderen. Fuhr sich noch ein letztes Mal genüsslich mit der Zunge über die Lippen, um auch alle Überbleibsel von Elmars soeben vergossener Geilheit abzulecken. Dann erhob sie sich. Ging langsam in die Mitte des Wohnzimmers – nein, sie ging nicht, sie glitt. Majestätisch mit einer unglaublichen, erotischen Aura.
Hastig und fahrig schloss Elmar nur die Hose. Nahm seinen Aktenkoffer und floh mit offenem Hemd durch die immer noch geöffnete Terrassentüre.
Doch er konnte nicht anders - er musste sich ein letztes Mal umdrehen bevor er endgültig den Ort dieser wunderbaren, bizarren Begegnung verlies.

So wurde er Zeuge, wie die Frau sich aufreizend über den Glastisch beugte, der in der Mitte des Zimmers stand. Provozierend hob sie ihren hauchdünnen Kaftan und streifte ihren String ab.
Aufreizend, einladend.....geil!
Der Mann verließ seinen Platz an der Türe, ging mit federnden Schritten auf den Tisch zu.
Ein Leuchten umspielte dabei seine Augen. Er umfasste die ihn erwartende Frau kraftvoll von hinten.
Das letzte was Elmar mitbekam, war lustvolles Stöhnen. Ein animalisches Stöhnen, das sich mit den ausklingenden Takten des Boleros mischte!